aus der Ringvorlesung Texte und Bilder der Antike zwischen Aufklärung und Manipulation
Weder Bilder noch Texte bilden die Welt so ab, wie sie ist. Bilder haben ein Programm: sie werden ausgewählt und gestaltet, um ihren Betrachtern eine bestimmte Sichtweise auf die Dinge nahezulegen. Texte, gerade öffentlich vorgetragene, gehen strategisch vor, um ihr Publikum in einer gegebenen Situation von dem Standpunkt des Sprechers oder der Sprecherin zu überzeugen und zu einem bestimmten Verhalten zu motivieren. Man kann also von einer Rhetorik der Texte wie der Bilder sprechen. Die Ambivalenz dieser Tatsache ist bereits in der Antike Gegenstand vielfältiger Diskussionen gewesen. Auf der einen Seite war man fasziniert von der Macht und den Möglichkeiten der Rede, die als Medium zivilisatorischen Fortschritts, als Mittel verantwortungsbewusster Herrschaftsausübung (Cicero) und als Instrument der Wahrheitsvermittlung und Aufklärung gepriesen wird (Augustinus); bisweilen schreibt man ihr sogar einen intrinsischen ethischen Wert zu (Quintilian). Auf der anderen Seite warnt eine von Platon ausgehende philosophische Rhetorikkritik vor der Wahrheitsindifferenz der Rhetorik und ihrem Einsatz für Machtmissbrauch und Manipulation – ein Aspekt, der uns angesichts der Erfahrungen des 20. und 21. Jahrhunderts mit besonderer Drastik vor Augen steht.
Die Ringvorlesung möchte die rhetorischen Strategien antiker Medien in ihrer Ambivalenz aus interdisziplinärer Perspektive vor Augen führen. Sie thematisiert dabei die Rhetorik der Texte und Bilder ebenso wie deren antike und moderne Kritik.
Weitere Termine:
15.06.2026
Pastorale Landschaften in Text und Bild
Marcel Danner, Würzburg
06.07.2026
Lüge und Verleumdung im Kontext antiker Religionsvorstellungen
Theresa Roth, HU Berlin
13.07.2026
Psychagogie und Menschenführung in Texten der griechischen Antike
Jan Erik Heßler, Würzburg
| In Zusammenarbeit mit | Würzburger Altertumswissenschaftliches Zentrum |
| Kursnr. | 26-AK-124 |
| Beginn | Mo., 08.06.2026, 18:15 - 19:45 Uhr |
| Veranstaltungsort | |
| Kosten | Eintritt frei |
| Referent*in(en) |
Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum
Universität Berlin, Institut für Altorientalistik
Dr. Ingo Schrakamp
Universität Würzburg, Lehrstuhl für Altorientalistik |
| Anmeldung | nicht erforderlich |