gerade ist Pfingsten vorbei. Und ich frage mich, wo denn etwas von diesem Geist…, von diesem Geist, der lebendig macht - wie es im großen Glaubensbekenntnis heißt - heutzutage zu spüren ist.
Zu viele Nachrichten von verbrecherischer, totbringender Gewalt, von menschenverachtendem Größenwahn und von bewusst geschürtem feindseligen Hass strömen auf mich ein. Zu viele rücksichtslose Machtinteressen, zu viele respektlose Geringschätzungen, zu viele schwer auszuhaltende Ungerechtigkeiten nehme ich wahr.
Zufällig werde ich krank die Tage, liege im Bett und nehme ein Buch zur Hand.
Und das, was ich da lese, macht mir Mut.
Es erzählt von Menschen, die in der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten Widerstand geleistet haben, manche im offenen Kampf, manche im Stillen, mit Worten, mit Standhaftigkeit. Menschen, die aufrechte Menschen geblieben sind, die ihre Menschlichkeit und ihre Würde nicht verraten haben, viele um einen sehr hohen Preis.
Es ist ein Buch von Matthias Brandt, der darin seine Rede wiedergibt, die er zum Gedenktag des Attentats auf Hitler am 20.Juli letzten Jahres gehalten hat und der darin über die Menschen, die damals Widerstand geleistet haben, über seine Eltern, deren Widerstand, aber auch über seine persönliche und unser aller Verantwortung heute gesprochen hat.
Mich berührt dieses Buch, mich berühren die Menschen, von denen Brandt erzählt, mich berührt die Art, wie er von Ihnen erzählt, und wie er seine Schlüsse für seine und unsere Verantwortung heute daraus zieht. So menschlich warmherzig, so analytisch klar, so politisch klug.
Die Schlussworte seiner Rede waren:
„Meine Mutter hat mir vieles beigebracht, sehr vieles. Auch dass man sich entscheiden muss - und dass es dazu manchmal keine zweite Gelegenheit gibt.
Und fast noch wichtiger, dass Nichtstun ebenfalls eine Entscheidung ist. Wie oft geht mir das in letzter Zeit durch den Kopf. Nämlich eine Entscheidung für das Wegschauen, für das Geschehenlassen.
Sie sagte: “Man muss nicht laut sein, um standhaft zu sein. Es reicht, wenn man weiß, wer man ist - und auf welcher Seite man steht.“
(Matthias Brandt: Nein Sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute. Köln, 2026)