In der Medizin stellt die Frage nach der Lüge in der Kommunikation seit Jahrtausenden eine Herausforderung dar: die Lüge spielt - bewusst oder unbewusst - auf beiden Seiten zwischen Arzt und Patient eine nicht zu unterschätzende Rolle. Verschwiegene Symptome, Lebensgewohnheiten oder Alternativbehandlungen, wie auch Scham und Angst vor Verurteilung auf Patientenseite, das Beschönigen von Diagnosen, das Aufrechterhalten noch so geringer Hoffnung auf Arztseite sind nur einige Beispiele von täglich praktizierter Unwahrheit. Gerade in der Palliativsituation wirft dies ethische Fragen auf.
Lügen können kurzfristig hilfreich erscheinen. Rechtfertigt das ihren Einsatz? Was bedeutet dies langfristig für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt/Behandlungsteam, Patient und Angehörigen?